Immer wiedekehrender Durchfall & chronischer Durchfall

Aus jedem akuten, wässrigen bis hin zu blutig tingiertem Durchfall, der in jedem Fall antibiotisch über 10-14 Tage behandelt werden muss, kann u.a. auch ein wiederkehrender Durchfall entstehen. Rezidivierende  & chronische Durchfallserkrankungen bei Hunden aller Rassen und in allen Altersstufen sind für viele Hundebesitzer ein ernst zu nehmendes Problem. In meiner Ernährungsberatung habe ich immer wieder verzweifelte Hundebesitzer. Meistens fehlt es schon im Vorfeld seitens der behandelnden Tierärzte bzw. der konsultierten Tierheilpraktiker an einem genau durchdachten Plan der entsprechend wichtigen Untersuchungen. DAHER lesen SIE die weiteren Informationen, damit im Vorfeld NICHT schon „Dinge falsch laufen“ und SIE gut informiert sind.

Die zu Grunde liegende Erkrankung bzw. Erkrankungen stellen fast IMMER ein komplexes, schwieriges Geschehen dar. Daher ist eine gute, sinnvolle Diagnostik sehr wichtig, um in der Regel auch über eine Art Ausschlussdiagnostik die Ursache des rezidivierenden Durchfalls „fassen zu können“. Eine erfolgsversprechende Behandlung ist wie bei anderen Erkrankungen nur möglich mit einer guten Diagnostik. Durchfälle können verschiedene Ursachen haben – können diätetische, infektiöse, nicht infektiöse, parasitäre, entzündliche, etc. Ursachen haben. Ich werde Ursachen, die für wiederkehrende Durchfälle häufiger in Frage kommen,  etwas näher aufführen.

Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) EPI ist abzuklären, siehe hierzu nähere Informationen unter dem Button „Ernährung bei Erkrankung der Pankreas“. Als Therapie braucht der Hund lebenslang eine fettarme Diät, mit hochverdaulichem Eiweiß und leicht verdaulichen Kohlenhydraten. Zusätzlich zur Diät ist eine dauerhafte Gabe von Pankreasenzymen notwendig. EPI kommt nicht selten in Verbindung mit SIBO vor.

 SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth)  bedeutet es handelt sich um eine bakterielle Überbesiedlung bzw. Fehlbesiedlung des Dünndarms. SIBO wird auch als Dünndarmdysbaktrie bezeichnet oder als Antibiotika Responsive Diarrhoe, denn unter Gabe eines geeigneten Antibiotikums ist der „Durchfall im Griff“! Setzt man das Antibiotikum ab, so kommt es in kurzer Zeit wieder  zur bakteriellen  Überbesiedlung. Bei gesunden Hunden wird durch die Dünndarmmotorik und durch die Magensäuresekretion eine bakterielle Überbesiedlung verhindert. Bei SIBO kommt es zur Überbesiedlung vor allem durch E. Coli- Arten sowie Staphylokokken-, Enterokokkenarten, Clostridien-und Bakteroidesarten, etc. Die SIBO-Ursachen sind in der Regel komplex. Klinisch kommt es zu Meteorismus(Blähungen), Diarrhö(Durchfall) und Steatorrhö – (Fettstühlen) mit Malabsorption  von Fett, fettlöslichen Vitaminen, Vitamin B12(Cobalamin) und Eisen.

Die Diagnostik von SIBO beim Hund ist mit der gleichzeitigen Folsäure Erhöhung im Serum und Vitamin B12 (Cobalamin) Erniedrigung mitunter ein Hinweis für SIBO  aber auch für EPI und daher nur begrenzt brauchbar. Die Therapie von SIBO: Wenn möglich sollte die Grunderkrankung beseitigt werden. Einsatz eines Breitspektrumantibiotikums über mehrere Wochen. Hier sollte in jedem Fall Kot in ausreichender Menge von mindestens 2-3 Kotabsetzungen gesammelt werden – Versand auf Kühlkette bis ins Labor. In einem geeigneten Großlabor sollte eine Bakteriologie veranlasst werden, um die pathogenen Keime bzw. deren Toxine durch Nachweis dann ganz gezielt mit dem geeigneten Antibiotikum zu behandeln zu können. Auch die Behandlungsdauer richtet sich sehr unterschiedlich nach dem jeweiligen Keim. Zeitgleich braucht der Hund eine Diät. Im Rahmen der Diät gibt es 3- 4 mal pro Tag nur  sehr kleine Mengen an selbstzubereiteten Futter  mit einer geeigneten Kohlenhydratquelle und mit wenig leichtverdaulichem Protein, bevorzugt eine nicht nur magere Proteinquelle, sondern auch besser eine noch nicht verfütterte – MEHR hierzu siehe weiter unten im Text.

 Ein großes Kotprofil sieht folgendermaßen aus:

Sicherheitshalber werden Parasiten und Protozoen mit untersucht.

Anaerobe Keime, d.h. sie wachsen nur unter Ausschluss von Sauerstoff: Clostridium perfringens Enterotoxin, Clostridium difficile Toxin.

Gram-positive Keimflora  bzw. aerobe Keime wie Alpha-hämolysierende Streptokokken, Beta- hämolysierende Streptokokken,

Gram-negative Keimflora wie hämolysierende Escherichia coli, E. coli mucoid.

Obligat pathogene Keimflora mit Salmonellen, Campylobacter, etc.

Im Vorfeld sollten SIE wissen, damit DAS Ihr Tierarzt umsetzt, dass die Toxine von Clostriduim perfriengs und vom Clostridium Difficile sich im Rahmen  einer bakteriologischen Kotuntersuchung NUR nachweisen lassen, wenn der Kot gleich auf Kühlkette gelagert wird und auch auf Kühlkette verschickt wird. Geschieht dies nicht, so lassen sich diese Toxine, die u.a. häufig an chron. Durchfälle beteiligt sind,  im Labor nicht mehr im Kot nachweisen. Hieraus zeigt sich auch, dass ich im Hochsommer bzw. zu warmen Temperaturen auf diese Toxine nicht untersuchen kann, denn bei hohen Temperaturen hält die notwendige Kühlkette nicht sicher.

Inflammatory bowel disease (IBD): IBD ist eine entzündliche Darmerkrankung, sehr ähnlich dem Morbus Chron / Colitis Ulcerosa in der Humanmedizin. Die Immunabwehr des Darmes muss permanent zwischen der Toleranz harmloser Substanzen (normaler Futterbestandteile) und der Bekämpfung krankheitserregender Substanzen unterscheiden. Ist diese Balance dauerhaft gestört, kann es zu unkontrollierten Entzündungsreaktionen kommen. Histologisch unterscheidet man verschiedene Typen der IBD (lymphoplasmazelluläre Infiltration, eosinophile Infiltration, granulomatöse Enteritis, proliferierende Enteritis).  Die Symptome sind Erbrechen und Durchfall, sowie Gewichtsverlust trotz teilweise erhaltenem Appetit. Hier kann oft kein spezieller Auslöser für die Erkrankung ermittelt werden. Eine genetische Komponente wird diskutiert. Bei gewissen Rassen kommt es zu einem gehäuften Auftreten dieser Erkrankung (Deutscher Schäferhund, Rottweiler, Shar Pei, Yorkshire Terrier).

HÄUFIG  ist es SEHR schwer die oben genannten Erkrankungen voneinander zu unterscheiden und OFT bleibt der Auslöser für diese schwere Erkrankung ungeklärt. Dies ist für die betroffenen Hundebesitzer  und Hunde ein frustrierender Prozess.

Meine Erfahrung (40 Jahre) in der Praxis mit „wiederkehrenden Durchfällen:“

Die Ursachen für immer widerkehrende Durchfälle sind in der Regel schwer „dingfest“ zu machen,  wenn nicht eindeutig Darmparasiten dahinter stecken. Meistens sind es Mischbilder verschiedener Erkrankungen häufig  zusätzlich überlagert von Futtermittelallergie / Futtermittelunverträglichkeit.  Wenn überhaupt so kann man mit viel Erfahrung diverser „Parameter“ wie  verschiedener Untersuchung bzw. klinischer Befunde sich ein Bild machen bezüglich der möglichen Ursachen quasi im Sinne einer Ausschlussdiagnostik. Dies beschreibe ich IHNEN hier mit Hilfe meiner Erfahrung.

Kann man „den Durchfall“ mit der Gabe von Cortison sicher stoppen, dann ist die Ursache eine IBD (Inflammatory Bowel Disease) – zu der IBD besteht sehr häufig nach meiner Erfahrung auch noch eine Futtermittelallergie, so dass man beides im Rahmen einer wirksamen Therapie lebenslang berücksichtigen muss. IBD (chronische Darmentzündung) zeigt auf die Gabe von Antibiotika keinen nennenswerten Erfolg.

Liegt eine SIBO vor Small Intestinal Bacterial Overgrowth, auch Dünndarmfehlbesiedelung bzw. Antibiotika Responsive Diarrhoe genannt, ist der Durchfall schlagartig mit dem Antibiotikum weg. Bei SIBO – hier kommt es immer in gewissen Abständen zu Durchfällen - bewirkt die Gabe von Cortison nichts.  SIBO ebenso IBD sind SEHR HÄUFIG  mit einer Futtermittelallergie bzw. Futtermittelunverträglichkeiten verbunden. Bei SIBO muss man im Fall von Durchfall neben einer strengen lebenslangen Diät  circa 10-12 Tage eine geeignetes Antibiotikum in der Regel Amoxicillin oder einer Kombination von Amoxicillin und Clavulansäure geben, am besten danach noch 8-10 Tage Metronidazol hinterher geben wegen der anaeroben Keime. Zeitgleich (das ist ebenso wichtig wie das richtige Antibiotikum) das ist meine  langjährige Erfahrung wird der Darm aufwendig mit Präparaten aus dem Humanbereich aufgebaut. Ein Teil dieser Präparate sollte lebenslang gegeben werden, andere gibt man erst mal über einige Wochen.

Im Labor zeigt sich bei SIBO häufig eine Vitamin B12 Erniedrigung und gleichzeitig eine Folsäureerhöhung, diese B 12 Erniedrigung und gleichzeitig Folsäureerhöhung im  Labor findet man jedoch auch bei der EPI(Exokrine Pankreasinsuffizienz). Die schlechte Verdaulichkeit von Fetten ist eine  generelle Problematik bei ALLEN Durchfallserkrankungen und tritt bei EPI und SIBO auf.

 Warum ist BARFEN bei Durchfallserkrankungen absolut kontraproduktiv?

Eine Barf-gerechte  Fütterung also 70-80% Fleischfütterung oder entsprechend ausgerichtetes kommerzielles Futter mit überhöhtem Eiweißkonsum verschiebt den pH-Wert im Darm in alkalisches Milieu, was dazu führt, dass die im normalen sauren (Dünndarm pH zwischen 5,0-6,0) pH-Bereich physiologischen Darmkeime (saccharolytischen Keime) sich nicht normal entwickeln können, sondern verkümmern und zurück gedrängt werden. Stattdessen gewinnen  Fäulniskeime die Oberhand, die im normalen gesunden Darmmilieu lediglich in geringen Mengen vorhanden sind, im Überfluss vorhanden aber Durchfälle begünstigen und produzieren. Bei den Fäulniskeimen zu nennen sind E.coli und Clostridien, die beide toxinbildende Varianten haben und damit für den Hund zu einer ernst zu nehmenden Durchfallserkrankung führen, da sie die für den Darm notwendigen Darmkeime mit saccharolytischer Aktivität wie Enterokokkus faecicum, Bifidobakterien und Lactobacillus verdrängen. Zudem haben diese für die Verdauung wichtigen Keime bei einem Mangel an aufschließbaren Kohlenhydraten keine ausreichende Ernährungsgrundlage für ihre eigene Entwicklung, die ohne verdauliche Kohlenhydrate und ausreichend Ballaststoffe nicht funktioniert. Sie verkümmern also zweifach: 1)aus Mangel an Kohlenhydraten und Ballaststoffen, die wichtig sind für den sauren pH und die Ernährungsgrundlage für die saccharolytischen Keime bilden – 2) aus Überfluss an tierischen Proteinen, die den pH ins alkalische verändern.

Bei einer auf diese Notwendigkeiten zugeschnittenen Ernährungsberatung wird im Einzelnen zu folgenden Punkten Stellung genommen:

Individuelle Rezeptvorschläge für Haupt- und Nebenmahlzeiten auf der Basis einer noch nicht verwendeten Proteinquelle,  dazu geeignete Kohlenhydrate

  • Vorschläge zur unterstützenden Nahrungsergänzung - aus dem Humanbereich
  • Vorschläge geeigneter Präparate für Pankreas +Leber + Galle, ALLES zur Unterstützung der Fettverdauung - alle Präparate aus dem Humanbereich
  • Vorschläge zur Verwendung von unterstützenden Heilkräuter bzw. Teedrogen mit adstringierender, carminativer,  keimhemmder Wirkung
  • Vorschläge zur Verwendung homöopathischer Mittel zur Ausleitung und unterstützenden Darmsanierung
  • Vorschläge zur Verwendung geeigneter Probiotika und Prebiotika
  • Sollten Sie an einer individuell auf die Erkrankung Ihres Hundes zugeschnittenen Ernährungsberatung interessiert sein, füllen Sie bitte die im Anhang unter Formulare aufgeführten Schriftstücke aus, fügen ärztliche Befunde und Laborbefunde bei und schicken sie an:

    Gabriela Behling

    Ernährungsberatung für Hunde

    Taunusring 22

    63755 Alzenau

    behalz@t-online.de

                                         Gabriela Behling, März 2019

 

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